Qualitätssicherungskonzept

Unser Qualitätssicherungskonzept ist auf eine vollständige, fachlich korrekte, reproduzierbare und nachvollziehbare Digitalisierung und Quantisierung ausgerichtet. Hierzu verbinden wir automatisierte technische Qualitätsprüfungen jedes verarbeiteten
Bogens mit risikobasierten manuellen Prüfungen und einer pegelbezogenen Gesamtkontrolle.

Grundlage bilden die über Jahre entwickelten und produktiv eingesetzten XT-Capture-Verfahren sowie die Erfahrung aus der Verarbeitung von deutlich mehr als
einer Million historischen Pegelbögen in über 300 Varianten. Automatisierung und objektive Qualitätskennzahlen gewährleisten einen reproduzierbaren, mehrstufigen Prozess, in dem Standardfälle sicher verarbeitet und tatsächlich prüfbedürftige Sonderfälle gezielt identifiziert werden.

1. Vollständigkeit, Zuordnung und scanbezogene Qualitätssicherung

Bereits bei Übernahme bzw. Erstellung der Digitalisate werden Vollständigkeit, Zuordnung, Kontrast, Erfassungsbereich und Rückverfolgbarkeit geprüft. KI-gestützte Handschriftenerkennung ermittelt Pegel- und Gewässerbezeichnung und gleicht diese mit den bereitgestellten Stammdaten ab. Dadurch können falsch einsortierte Bögen erkannt, korrekt zugeordnet und mögliche Lücken in der Zeitachse frühzeitig sichtbar gemacht werden.

Zusätzlich wird jedem Bild blattindividuell ein geeignetes Farbprofil
zugeordnet, um auch verblasste Drucke und unterschiedlich intensive Stiftfarben robust zu verarbeiten. Für die Quantisierung bildet das auf dem Bogen erkannte Koordinatensystem das geometrische Bezugssystem. Es wird aus den tatsächlich erkannten Rasterlinien rekonstruiert, sodass scanbedingte geometrische Abweichungen durch Falten oder schiefen Einzug bei der Trans-
formation berücksichtigt werden können.

Erst wenn solche Abweichungen nicht ausreichend korrigiert werden können, erfolgt nach Ausschöpfung der übrigen Korrekturmöglichkeiten ein erneuter Scan.

2. Automatisierte 100-%-Prüfung von Indexierung und Quantisierung

Jeder verarbeitete Bogen durchläuft automatisierte Qualitätsprüfungen. Bei der Indexierung werden chronologische Reihenfolge, Lücken, Überlappungen und Datumszuordnung kontrolliert. Bei der Quantisierung werden insbesondere Abdeckung und Zustand des rekonstruierten Koordinatensystems, Ausnutzung der relevanten Bildregion, Geschlossenheit und Fragmentierung der Ganglinie sowie das Verhältnis quantisierter zu erwarteten Messpunkten bewertet.

Die Kennzahlen werden nicht isoliert, sondern im Zusammenhang betrachtet, sodass Ursachen von Auffälligkeiten gezielter eingegrenzt werden können. Die Quantisierung erfolgt intern mit sechs Abtastpunkten je Millimeter in Zeitrichtung. Bei einer typischen Skalierung von 2 mm/h entstehen damit drei interne Abtastpunkte je 15-Minuten-Intervall und zusätzliche Redundanz für die Qualitätsprüfung. Ergänzend werden vollständige Zeitstempel, Zeitauflösung und Einheiten, Bereichs- und Grenzwertverletzungen sowie offensichtliche Aus-
reißer geprüft. Die vertiefte zeitliche, statistische, räumliche und hydrologische Bewertung bleibt Los 2 vorbehalten.

Die in der Verarbeitung historischer Pegelarchive entwickelten Qualitätskennzahlen dienen zugleich der Absicherung der geforderten mittleren Abweichung von maximal ±2 cm zur Originalganglinie. Kennwerte außerhalb definierter Qualitätsbereiche lösen gezielt eine weitergehende Prüfung aus. Die Vollständigkeitsprüfung umfasst auch Maxima und Hochwasserabschnitte, ohne diese hydrologisch zu bewerten.

Farblich eindeutig separierbare Korrekturlinien werden als gesonderte Kurvenfragmente ausgegeben; nicht eindeutig von farbigen Vermerken oder Markierungen trennbare Bereiche werden gekennzeichnet und nicht automatisiert mit der Hauptganglinie verschmolzen.

3. Pegelbezogene Qualitätsbewertung, Eskalation und Fehlerbehandlung

Die Qualitätskennzahlen sämtlicher Bögen eines Pegels werden in mehreren Heatmap-Sichten über die zeitliche Folge zusam-
mengeführt. Dadurch werden Auffälligkeiten, fehlende oder überlappende Bögen, unsichere Koordinatensysteme, unvollständi-
ge oder fragmentierte Ganglinien und geringe Quantisierungsqualität unmittelbar sichtbar. Eine abgestufte visuelle Bewertung
kennzeichnet Qualitätsniveau und bereits geprüfte Fälle und steuert die risikobasierte Auswahl weiterer Prüffälle. Automatisch
eindeutig korrigierbare Indizierungsfehler werden unmittelbar bereinigt. Bei weiteren Auffälligkeiten kommen zunächst standar-
disierte Korrektur- und Wiederverarbeitungsverfahren zum Einsatz. Nur nicht eindeutig lösbare oder fachlich besonders relevan-
te Fälle werden individuell analysiert; bei Bedarf werden Bearbeitungsprofile oder Parameter angepasst und der Bogen erneut
softwaregestützt verarbeitet. Das Vier-Augen-Prinzip bildet die höchste Eskalationsstufe. Abhängig von der Ursache erfolgen
Neuindizierung, erneute Quantisierung oder erforderlichenfalls ein erneuter Scan. Bei systematischen Fehlern werden nicht nur
Einzelfälle korrigiert, sondern Ursache und potenziell betroffener Datenbestand ermittelt und bereits bearbeitete Daten gezielt
nachgeprüft.

4. Dokumentation, Wirksamkeitskontrolle und Beteiligung des Auftraggebers

Automatische Prüfergebnisse, Bearbeitungszustände und manuelle Prüfvermerke werden nachvollziehbar gespeichert. Daraus
wird für jeden Pegel ein QS-Protokoll in PDF- und Excel-Format erstellt. Es dokumentiert Prüftiefe, Qualitätskennzahlen, erkann-
te und korrigierte Fehler, Korrekturmaßnahmen, die Versionierung ab der ersten Übergabe sowie die Nachvollziehbarkeit sämtli-
cher Änderungen. Zu Projektbeginn werden Prüftiefe, Toleranzen, Schwellenwerte und Stichprobenverfahren gemeinsam mit
dem Auftraggeber konkretisiert. Heatmaps, QS-Ergebnisse und Korrekturmaßnahmen werden regelmäßig vorgelegt und bespro-
chen. Sie unterstützen die Gegenprüfung des Auftraggebers von in der Regel 5-10 % der Lieferung, mindestens jedoch eines
vollständigen Pegels je Lieferung. Im FIS-Pegel können Scan und gelieferte Kurve zusätzlich optisch überlagert werden. Rückmel-
dungen aus den Prüfungen fließen in die Anpassung von Schwellenwerten und Prüftiefe ein. So wird der manuelle Prüfaufwand
kontinuierlich an das tatsächliche Qualitätsniveau angepasst und ein angemessenes Verhältnis zwischen Prüfaufwand und Quali-
tätsgewinn erreicht.

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